Glíma in Deutschland

Geschichte
Der erste Kontakt des Autors mit Glíma fand 2006 in Eindhovem (NL) statt. Dort gab es ein Glíma-Seminar isländischer und schwedischer Ringer. Einige Mitglieder der Kampfbruderschaft "BlóðVitniR" nahmen an dem Seminar und auch an dem danach stattfindenden Abschlußturnier teil. Bei der abendlichen Feier wurde (scherzhaft) die deutsche Nationalmannschaft ausgerufen, da die deutsche Teilnahme von einem ersten und einem zweiten Platz gekrönt war. Diese Nationalmannschaft wurde aber wider Erwarten von den Isländischen Besuchern sehr ernst genommen und so erhielten wir wenig später die Einladung zu den Iceland Air Open in Reykjavik. Danach nahmen die Dinge ihren Lauf über verschiedene Turniere, die Weltmeisterschaft in Roskilde bis hin zu den aktuellen deutschen Seminaren.
1. Deutsches Glíma-Seminar (2008)
Das erste deutsche Glíma-Seminar fand 2008 in Schiffweiler (Saarland) statt. Anwesende Trainer waren David Lundholm aus Schweden und Lárus Kjartansson aus Island. Bei diesem Seminar waren wir, wie auch beim zweiten in 2010, bei Wulfgar untergebracht. Samstags wurden die Glíma-Tricks trainiert und Sonntags fand das Abschlussturnier statt. Besonders erfreut waren wir alle, dass wir unsere beiden exzellenten Trainer für dieses Seminar gewinnen konnten.
Ergebnisse
Glíma
1.
2.
3.
Hryggspenna
1.
2.
3.
Lausatök
1.
2.
3.
2. Deutsches Glíma-Seminar (2010)
Schiffweiler. Von 11. bis 13. Juni fand in der Schulturnhalle in Schiffweiler zum
zweiten Mal nach 2008 ein Glíma-Seminar in Deutschland statt. Zu diesem Zweck wurde eigens
ein Trainer aus Island eingeflogen, wo diese Form des Ringens seit Jahrhunderten Tradition
ist. Eines der wichtigsten Konzepte beim Glíma ist der Respekt vor der Gesundheit des
Gegners und das ehrenhafte Verhalten im Kampf. Lárus Kjartansson war hauptberuflich für
den isländischen Glíma-Verband (Glímusamband Íslands) als Trainer tätig, ist heute Lehrer
für Isländisch und Geschichte und daneben auch Leiter seiner eigenen Glíma-Schule.
Lárus kam am Donnerstag bereits in Deutschland an und es wurden noch die letzten Details
für das Seminar und das Turnier am Wochenende geklärt. Daneben blieb auch noch Zeit für
einen Besuch in Trier und eine Führung zu den historischen Sehenswürdigkeiten der ältesten
Stadt Deutschlands, wo Christian Bartel, der Veranstalter des Wochenendes, lebt.
Am Freitag Abend begann das Seminar mit der ersten Trainingseinheit, in der vor allem die
Neulinge mit den Grundlagen vertraut gemacht wurden. In drei Stunden teilweise recht
schweißtreibenden Trainings gelangen dann auch bald die ersten Techniken. Durch die
verhältnismäßig geringe Teilnehmerzahl konnte sich Lárus Kjartansson intensiv um jeden
Teilnehmer bemühen und auf Probleme und Fragen ausführlich eingehen. Nahezu alle
Teilnehmer hatten bereits Erfahrung in anderen Kampfkünsten und daher konnten bereits
Freitag Abend zum Abschluß des Trainings die ersten Freikämpfe unter Aufsicht der
erfahreneren Kämpfer und natürlich des Trainers stattfinden.
Am Samstag Morgen wurde um 9:00 Uhr das Training begonnen. Der Schwerpunkte lag hierbei
naturgemäß auf einem breiten Überblick sowohl über die historischen Hintergründe von Glíma
als auch über reichhaltige Informationen über die Traditionen der modernen Form, die seit
1906 in Island als Sport betrieben wird. Neben dem obligatorischen Aufwärmtraining gab es
eine rudimentäre Fallschule, die für eine verletzungsfreie Ausübung dieser Kampfkunst
unerläßlich ist. Danach wurden dann die Tricks wiederholt, die man Freitags bereits
erlernt hatte. Am Samstag waren noch weitere Teilnehmer hinzugekommen, die bei dieser
Wiederholung auch die ersten Tricks erlernen konnten. Im Anschluß ging es dann mit etwas
weiter fortgeschrittenen Techniken weiter und zwischendurch gab es immer wieder
Erklärungen und Tipps zum Einsatz der Techniken bei einem Wettkampf. Nach 7 Stunden
Training am Samstag wurde das Seminar dann mit der Demonstration von noch weiter
fortgeschrittenen Techniken, den sogenannten "High-Tricks" fortgesetzt. Zur Ausführung
dieser Techniken bedarf es allerdings intensiverem Training und daher wurden diese nur
durch Lárus demonstriert.
Abschließend wurden noch zwei weitere Formen von Glíma gezeigt und auch ausprobiert. Das
sogenannte "Hryggspenna" ist eine Form, bei der kein Gürtel zum Einsatz kommt und bei der
über den Rücken des Gegners gegriffen wird. Das "Lausatök" ist eine sehr freie Variante,
die sich aber auch nach den selben Prinzipien richtet, die im Glíma allgemeingültig sind.
So erlangten die Teilnehmer einen umfassenden Einblick in diese traditionelle
Kampfkunstform.
Sonntag fand ein Vergleichskampf der Teilnehmer des Seminars statt, bei dem Lárus als
Schiedsrichter fungierte. In einer sportlichen Atmosphäre mit einer Menge Einsatz und sehr
spannenden Kämpfen wurden die Glíma-Könige von Deutschland ermittelt. Die Teilnehmer
traten in drei Disziplinen an: Glíma, Hryggspenna und Lausatök.
Da dieser Vergleichskampf das einzige offzielle Turnier unter der Schirmherrschaft der IGA
(Internation Glíma Association) in Deutschland ist, sind die Gewinner die momentan
amtierenden Glíma-Könige (das ist der offizieller Titel des Champions in dieser Sportart)
in Deutschland.
Michael Hartmann aus Schweich hat sich als besonderes Talent hervorgetan und das
bestätigte sich auch im Ergbnis. Alexander Bollig aus Flußbach musste sich in allen drei
Disziplinen aber nur sehr knapp geschlagen geben und erlangte jeweils den vierten Platz.
Aber auch die anderen Teilnehmer haben an diesem Wochenende gewonnen, denn sie haben einen
Einblick in Glíma erhalten und erste Kampferfahrung gesammelt. Bei den nächsten Turnieren
kann das Ergebnis sich schon merklich verschoben haben, denn wie unser isländischer Gast
mehrfach anmerkte, fand er eine Menge Potential bei allen Teilnehmern. Ein besonderer Dank
gilt unserem Gastgeber in Schiffweiler, Herrn Michael Bansky (ebenfalls Gründungsmitglied
der IGA), der für das Wohl der Teilnehmer sorgte der ebenfallsam Seminar und dem Turnier
teilnahm. Das Wochenende kann insgesamt als Erfolg verbucht werden, auch wenn wir beim
nächsten Mal gerne mehr Teilnehmer begrüßen würden.
Ergebnisse
Glíma
1. Christian Bartel, IGA (Trier)
2. Gerhard Pauli, IGA (Trier)
3. Michael Hartmann (Schweich)
Hryggspenna
1. Gerhard Pauli (Trier)
2. Christian Bartel (Trier)
3. Michael Hartmann (Schweich)
Lausatök
1. Gerhard Pauli (Trier)
2. Christian Bartel (Trier)
3. Michael Hartmann (Schweich)